Donnerstag, 24. März 2016

T+21 Abschied von Tisch 12

Vorbemerkung:
Für die, die noch nie in einer Reha waren: man bekommt einen festen Platz an einem bestimmten Tisch zugewiesen. Dort sitzt man dann drei Wochen lang drei Mahlzeiten am Tag mit drei zunächst Fremden zusammen. Die kleinste Organisationseinheit für Unternehmungen aller Art ist "der Tisch" bzw. "die Tischgruppe" bzw "meine Leute". Meist sind die Einzelpersonen am gleichen Tag oder zumindest zeitnah angekommen und haben daher oft auch ähnliche Termine für Gruppentherapie etc., das heißt man sieht sich ständig. Wer da ins Klo greift Pech hat, sieht einigen langen Wochen entgegen.
 
Tisch 12
 
Die Elite. Die Creme de la creme. Der lauteste Tisch. Der albernste Tisch. Der Tisch der vielfältigsten Diskussionsthemen. Der Tisch mit dem wenigsten Nachtisch aber dem meisten Schokopudding.



Die Startbesetzung:
Rücken oben (Karola), Rücken unten (Tanja), Knie (moi) und 1/2 Schulter (Nicole) .
Hallo Nicole - sorry, aber teilstationäre Weicheier zählen nur halb, die sind ja nie da! :-P

Um das personelle Defizit aufzufüllen rekrutierte "General" Karola am ersten abend gleich einen zusätzlichen Fuß (Alina) von ihrem latent stinkstiefeligen Tisch  herüber zu uns ins Team. So war das Quartett ab Tag 2 vollständig.

(Alina, Karola, Tanja)

Das Ganze passte sofort wie die Faust aufs Auge. Mit "General" Karola, "Prinzessin" Tanja und "Bärchen!" Alina wurde es nie langweilig!

Ein Lob an alle "meine" Mädels, die es schafften, trotz manchmal garstiger Schmerzen trotzdem immer ihre gute Laune zu wahren. Drei Wochen lang kein Streit, kein Ärger, viel zu Lachen, reichlich Partien 6 Nimmt, Shopping Ausflüge, Runden um den See, literweise Minztee, Thermebesuche und vieles mehr.  Im letzten Drittel kam dann noch Gerhard "Der Schwabe" hinzu, der mit viel Energie und immer gut gelaunt noch drei Sack trockenen Humor mit ins Boot warf ("Auf die Gesundheit!").
(Gerhard und sein schwäbisches Portemonnaie)



Tolle Leute, von denen der Abschied schwer fällt.


Das letzte Frühstück kommt und geht und danach heißt es Abschied nehmen. Wenn der Plan aufgeht, werden wir uns wieder sehen, zum Jahresrevival in Bad Sassendorf.

Eine letzte, lange Runde um den See und der Vorhang fällt.

Ich steige ins Auto. Es geht nach Hause.

Mittwoch, 23. März 2016

T+20 Im Limbo

Mittwoch. Letzter Tag.

Heute noch ein voller Satz Anwendungen. Man fühlt sich ein wenig, als wäre man bereits halb transparent und nicht mehr so richtig dabei. Als Ausreißer im ansonsten, wie üblich, straff getakteten Programm habe ich nachmittags drei Stunden frei und dann um 16:00 Wassergymnastik. Da dies gerade am letzten Tag die Krone der Fehlplanung ist, bitte ich die zufällig getroffene Frau Besenstil* mich in eine andere WG Gruppe vorzuverlegen. Glücklicherweise ist dies möglich und ich komme in den ersten (und einzigen ) Genuss einer "Isometrischen Wassergymnastik". Klingt spannend.

De facto ist es aber eigentlich eine ganz normale Wassergymnastik mit abgespreiztem kleinen Finger mit einem Tick weniger Tempo und dadurch mehr auf-einem-Bein-stehen.

So bin ich um 13:00 fertig und kann mich dem ganzen nutzlosen administrativen Kram widmen. WLAN bezahlen, Trainingsplan abgeben, Koffer packen. Das Ende naht.

Nachmittags wird dann der letzte Stempel in der Terme abgeholt. Strahlende Sonne stimmt versöhnlich, die Luft ist drinnen viel besser als beim ersten Mal und überhaupt ist es ein großer Spass. Als kleiner Wermutstropfen ist die Chill-Muschel leider von nutzlosen Zeitungslesern besetzt und ein Ruheraum-Diktator plärrt beim kleinsten Geräusch mit 120 Dezibel "RUHERAUM!" durch den ansonsten recht ruhigen Raum.

Leider vergeht die Zeit dort wie im Flug und der Abend naht. Der erweiterte Tisch 12 hat einen Tisch im Hof Hück reserviert um ein formidables Abschiedsessen zu sich zu nehmen.


Auf dem Weg dorthin wird ein knutschendes Teenagerpärchen an der spontanen Fortpflanzung in aller Öffentlichkeit gehindert und der verstörte männliche Part als Fotograf zwangsrekrutiert für ein Gruppenfoto gewonnen:


Das Essen selbst war ein großer Spaß, unverhofft noch aufgelockert durch die vielfältigen Pannen des Etablissements bei der Getränkeauswahl ("Aperol Haben wir nicht! Nehmen Sie doch Campari." (5 min später) "Campari haben wir auch nicht!" (5 min später) "Wir haben Grevensteiner vom Fass." (5 min später) "Wir kriegen das Fass nicht auf!" usw usw. ) Das Essen selbst war lecker und es wurde mehrfach "Auf die Gesundheit!" geprostet. Leicht beschwingt ging es dann ein letztes Mal in die Anstalt Klinik zurück.
Dort war, wie gewöhnlich, schon Ruhe eingekehrt. Zurück auf dem Zimmer liefen 80er im (virtuellen) Radio und der letzte Abend neigte sich dem Ende.


Nachts wurde ich nochmal wach und stellte mich leicht bekleidet auf den Balkon, um, gemäß der alten Tradition großer Philosophen der letzten 3.000 Jahre, meinen Blick über den Park schweifen zu lassen und in meinem Kopf Sätze zu formen, die die Welt verändern würden.

Der Park starrte unbeeindruckt zurück. Ich ging wieder ins Bett.

Dienstag, 22. März 2016

T+19 Kino in der Scheune Teil 2

Dienstag.

Der letzte "ganz normale" Tag. Erste Vorboten der Abreise stellen sich ein. Das letzte Mal Krankengymnastik verstreicht. Das geliehene Laken wird einkassiert (wäre ja auch noch schöner, wenn das weg käme!). Neuankömmlinge sind mangels Halbwertzeit nicht mehr interessant. Der Speisesaal ist bevölkert von fremden Gesichtern. Der Exodus ist im Gange.

Ich schleppe erste Dinge ins Auto, die ich während des Aufenthalts nicht gebraucht habe. Es ist auch noch erstaunlich viel Essen von meinem Panikkauf am Anreisetag übrig. Sogar eine Chipstüte lebt noch!

Verrückt.

Der Tag verstreicht in gewohnt rasendem Tempo. Abends dann eine Wiederholung des Dienstags-Highlights von letzter Woche: Kino in der Scheune.

Diesmal am Start:

"Und wenn wir alle zusammenziehen?" eine sehenswerte Komödie mit allerdings recht melancholischen Untertönen. Da es im Vergleich zum letzen Mal ein paar Grad wärmer ist, ist der Saal deutlich voller. (Typisch. Jetzt, wo's einfach ist, da können sie auf einmal alle ins Kino!)

Danach geht es auf dem Heimweg noch kurz auf ein Getränk in den Sälzer Hof, bevor der erweiterte Tisch 12 leicht weinselig den Heimweg antritt. Die Anstalt Klinik liegt großteils bereits schlafend da. Selbst die Wärterin Nachtschwester patroulliert nur halbherzig.

One day to go.

Montag, 21. März 2016

T+18 Monday, Lazy Monday

Die Ende-in-Sicht Depression verschärft sich.

Der ganze Tag dümpelt irgendwie dahin. Die Abreise am Donnerstag wirft ihren garstigen Schatten voraus. Einige letzte Besorgungen nach Ende der Anwendungen. Nachmittags wird ins Standardausflugsziel Salztherme gepilgert (noch zwei kostenlose Besuche!)
Ein Spieleabend wird geplant, entfällt aber auf grund genereller Erschöpfung.
Von Endspurt aktuell keine Spur.

Fernsehabend.

Gute Nacht.

Sonntag, 20. März 2016

T+17 Ausflug in die Gegenwelt Möhnesee

Sonntag.

Das Wetter ist garstig. Dem uneingeweihten Beobachter scheint das zunächst nicht so tragisch vorzukommen. Dieses Wetter hat aber eine weitere, verborgene Signifikanz:

Es bedeutet, dass das Irrenhaus Klinikum von Horden Verwirrten Besuchern gestürmt wird, die erstens rumlärmen, zweitens die Sitzplätze in den Aufenthaltsräumen widerrechtlich belegen und drittens überhaupt.

Folglich hilft nur die Flucht in die mysteriöse Parallelwelt außerhalb der näheren Anstaltsumgebung. Um eine Überstrapazierung zu vermeiden, wurde das Auto als Vehikel gewählt um den nahegelegenen Wildpark Bad Sassendorf zu erreichen. Nun, vielleicht haben wir irgendwas falsch gemacht, oder das Navi, oder es lag daran, dass der Park ungefähr die Größe von ca. drei Fussballfeldern hat. Auf jeden Fall wurde das Areal gefühlt mehrfach umrundet, bevor ein Treffer auf den kleinen, am Rande gelegenen Parkplatz erfolgte.

Es zeigte sich dann jedoch schnell, dass trotz der netten Wandermöglichkeit und der Chance, Tiere aus der Nähe zu fotografieren, der Tag wohl so nicht würde komplett ausgefüllt werden können. Spontan wurde "Möhnesee" ins Navi getippt und weiter ging es.

Der Möhnesee ist überraschenderweise ganz schön riesig!  Man kann prima an der Südseite entlangwandern (Brr! Kalt!) oder an diversen Stellen Sehenswürdigkeiten begutachten, zum Beispiel die Talsperre:

(Propaganda-Foto mit vorgetäuschtem, schönem Wetter)

Irgendwann wurde es dann aber doch zu frisch und es wurde im Café Solo direkt an der Talsperre eingekehrt und sich erstmal einen Mittagsimbiss gegönnt. Mit Seeblick. Deluxe! 


(Danke für die leckere "kalorienarme" Waffel!)

So verging die Zeit wie im Flug und es kam der Moment, ins Heim zurückzukehren. Mit Glück würde der Großteil der Invasoren wieder verschwunden sein und die Vorbereitungen für die abendliche 17:30 Fütterung konnten in gewohnter Besinnlichkeit verlaufen.

Zwei Mitglieder des inneren Zirkels fahren kurz entschlossen nach Dortmund, um dort eine Stadionbesichtigung im Westfalenstadion Signal Iduna Park zu machen und kommen erst kurz vor Einschluß Sperrstunde zurück. Weltreise! :-)

Abends: Tatort.


Samstag, 19. März 2016

T+16: Invasion: Soest!

Samstag.

Die Teilzeitknastis Teilstationären fliehen fahren nach Hause. Besucher tröpfeln ein. Anwendungen sind entweder gar nicht oder gleich morgens um 7:00 Uhr (Danke nochmal!).
Das Schreckgespenst der maximalen Langeweile wirft seinen Schatten bedrohlich über das Frühstücksbuffet.

Spätestens nach dem Frühstück ertönt aber dann, einem akustischen Hoffnungsschimmer gleich, immer lauter das Geschnatter der komsum-mäßig vollkommen dehydrierten Weiblichkeit.....

shopping........ Shopping......... SHOPPING!!!!

Also werden Busse, Züge, Autos oder Wanderschuhe aktiviert und die meist in Zellen  Tischgruppen organisierten Insassen Patienten stömen nach Westen, um mit vorgehaltener EC-Karte die nächste Shopping-Oase zu erobern:

Angriffsziel: SOEST (wird übrigens "Soost" ausgesprochen)

Kleines Städtchen, knuffige Altstadt etc, etc. Schnell zu erreichen. Viele kleine Geschäfte und sehr malerisch. Schön zum Durchlaufen mit vielen kleinen, mittelalterlich anmutenden Gäßchen und der dominierenden Kirche im Stadtkern.

Erster Anlaufpunkt für Tisch 12: das letzten Samstag entdeckte Kaffeehaus 1825. Super Sitzplätze mit Spionage Panoramablick über die vorbeilaufenden Fussgänger (siehe mittleres Foto).


Nach zwei Minztees und einem Café Latte geht es dann ernsthaft los.
Die Elite von Tisch 12 kennt sich mittlerweile schon aus und geht gezielt auf Jagd. Da 90% der Läden nur Damenartikel haben, ist das für die männliche Komponente des Trios(das wäre dann ich) entspanntes einkaufen (kein Einkauf = entspannter Einkauf). Die verwinkelten Gassen entlocken den Wandereren allerdings immer mal ein verwirrtes "Wo geht's jetzt her?"*,  doch zum Glück ist Google Maps zur Rettung verwirrter Shopper verfügbar und die Gefahr kann abgewendet werden.

Nach finaler Erforschung der Innenstadt lockt noch ein rehagerichtes Mittagessen beim Italiener am Bahnhof.

Lasagne. Als Vorspeise Pommes rot/weiß. Kein Scheiß!

Danach pendelt der Ausflug langsam dem Ende entgegen. Es geht erschöpft zurück ins Heim die Klinik. Nachmittags noch ein Teechen mit Rum und ein gigantisches Stück Apfelkuchen mit Sahne im kleinen Tee- und Caféhaus im Park.

Dann ist auch schon wieder Fütterung Abendessen gefolgt von ein paar Partien 6 Nimmt und ab ins Bett.

Gute Nacht.

*soll heißen: "Wo geht's jetzt lang?"

Freitag, 18. März 2016

T+15 Kapitänsdinner auf der MS Wiesengrund

Heute beim Frühstück: nach kurzer Alarmsirene Gong erfolgt eine Durchsage des Führers der Klinikleitung:

"Achtung, Achtung! Heute Abend freuen wir uns, Sie zu einem festlichen Frühlingsdinner mit 4 Gängen begrüßen zu dürfen und bitten Sie, pünktlich um 17:30 anwesend zu sein. Danke!"

Wüstes Getuschel, fragendes Erstaunen und wohlwollendes Kopfnicken geht durch die breite Masse der Rücken, Hüften und Knie Patienten.

Fast Forward: Abends.

Als Mensch der mit Auto angereist ist, habe ich etwas mehr Bimbes Gepäck mit als die öffentlich angereisten (einige Damen ausgenommen). Da mein Sakko aus dem Büro noch im Auto hing, dachte ich das wäre eine fabelhafte Gelegenheit zu diesem FESTLICHEN Anlass mal Jeans mit Hemd und Sakko zu kombinieren. Wann sonst, wenn nicht heute? Also lässig die Treppe runtergeschlendert während ich in meinem Kopf Visionen von diversen "Traumschiff"-Folgen der 80er Jahre hatte - all inclusive mit Sascha Hehn und dem Captain's Dinner im Kreise der Senioren (WUNDERKERZEN!). Ich meine: kein Anzug, keine Krawatte, keine Weste - wahrscheinlich nicht overdressed, oder?

Pustekuchen. Auf dem Weg nach unten wurde ich bereits zweimal auf der Treppe (nett) angequatsch (von zwei Herren) die meinten das sei zumindest stilecht(???). Im Saal dann die Erkenntnis, dass ich der bestangezogenste Kerl bei dem Event war. ICH!  Da sag ich nur: macht einen Screenshot, das wird in diesem Leben nie mehr vorkommen.

Im Speisesaal war dekoriert und nett eingedeckt und man merkte gleich, dass das Personal da viel Mühe reingesteckt hatte.

Das hielt das Schwabbelmonster die Patientin vom Nachbartisch natürlich nicht davon ab, in Gammeljeans und Schwabbel-Sweater da zu hocken und lautstark in meine Richtung zu blöken raunen:: "Ach. Wie SCHICK! Da hätte ich ja auch das kleine Schwarze einpacken können!"

Nun Frollein, dachte ich so, "klein" aber nur, wenn man in Zeltgrößen rechnet.

Überhaupt ist es erstaunlich, wie viele Menschen den Reha-Aufhänger als Vorwand nehmen, um sich im Assi-Style Sportlook zum Abendessen zu setzen. Die letzten Anwendungen sind da Freitags seit Stunden vorbei - da könnte man es vielleicht über sich bringen, eine normale Hose anzuziehen - zumindest wenn absehbar ist, welche Art Veranstaltung das wird. Für die, die es bist jetzt nicht verstanden haben: das hat etwas mit Wertschätzung zu tun. Und die funktioniert besser, wenn man sie nicht dauernd einfordert ohne sie selbst zu erwidern.

Aber zurück zum Event:

Der Opener war der Gesang von drei Köchen(!!!) die echt professionell a capella mehrstimmig drei Lieder verschiedener Stilrichtungen intonierten. Solide Überraschung.

Auf dem Menü standen die vier Gänge, die alle auch sehr gut waren, dazu wurde Wein gereicht (echter Wein! Mit Alkohol!!) wobei der letzte Gang aus einer "Eisüberraschung" bestand. Da dämmerte mir schon, dass das möglicherweise im Stile meines Rumgeflachses wirklich so eine Traumschiff-Nummer werden könnte:



Gerade hatte ich am Tisch gesagt, ich hätte von zu Hause Wunderkerzen mitbringen sollen , da wurde das Eis hereingefahren. MIT WUNDERKERZEN! UND TRAUMSCHIFFMUSIK!

Wir leben ein Klischee.

Epic.




Donnerstag, 17. März 2016

T+14 Showdown im Ernährungsseminar.

Sei nett zu alten Leuten, sagten meine Eltern immer.

Bin ich auch. Vor allem zu den Insassen Patienten, die hier im Ü70-Segment desorientiert durch die Anstalt  Klinik schleichen wandeln. Mithäftling Sportkamerad Oli ist stets hilfsbereit, trägt auch mal ein Rad/Teller/Tasse/Tablett schnell irgendwo hin und gibt bei Fragen aller Art Auskunft, auch wenn mich die Dame den dritten Tag in Folge immer nach dem gleichen Raum  fragt.

Dann kam das Ernährungsseminar. Eine Stunde Wissenswertes zum Thema Ernährung. Die, die mich länger kennen, wissen, dass mir nichts so verhasst ist wie die Bande der Ernährungsokkultisten, die ihr veganes Detoxmantra zum Status einer Ersatzreligionen erhoben haben und dies als Vehikel benutzen, um, auf dem moralisch hohen Roß reitend, die Ungläubigen zu bekehren und nebenbei ihre eigenen, tiefgreifenden psychischen Probleme zu lösen. (nachdem das über Esoterik, Brigitte-Diät und magische Harmoniewellenabsortionsplastikkarten aus dem Astro-TV nicht funktioniert hat.)

Ich macht mich also voller Vorfreude in dieses auch wirklich kurzweilige Seminar. Frau Beimer-Drebel*, selbst nicht mehr blutjung, machte das ganze auch gut und bat darum, Fragen zu stellen.

Wer mich kennt, weiß, dass Fragen stellen in Vorträgen eine meiner Lieblingsbeschäftigungen ist. Die Zeit geht schneller rum, der Vortragende freut sich (manchmal) und alles ist irgendwie netter. Ich fragte also eins, zwei Dinge, konnte mir aber nicht verkneifen, durch die Blume gesprochen einfliessen zu lassen, dass möglicherweise die ganzen "ich bin so arm dran weil ich glutenlaktosebuchweizencrystalmeth-intolerant bin" doch in den meisten Fällen einfach einen an der Klatsche haben, und in Wahrheit doch wohl eher als Teilzeithypochonde unterwegs sind.

Frau B-D antwortete ein wenig ausweichend, meinte aber das die Zahl der wirklich ernsthaft von Gluten-Unverträglichkeit betroffen sind, regional abhängig äußerst gering ist und naja, es halt für die Industrie ein Riesengeschäft sei, leichtgläubigen Irren Menschen das Geld aus der Tasche ziehen, indem sie so tun als wären glutenarme Produkte besser. Vielleicht hätte ich an dieser Stelle, das leise, wissende, hämische Gekicher weglassen sollen - so aus diskussionstaktischen  Gründen.

Sie brachte dann noch mehr Beispiele, wie unwissende Trottel Konsumenten über einen Mix aus Marketinglügen und rechtlichen Definitionen mit "Light", "Diät", "Wellness" und anderen ähnlich gelabelten Produkten über den Tisch gezogen werden. Das war königlich! Großes Entertainment! Fand ich zumindest - einige Gesichter im Saal waren eher verwirrt bis bestürzt/zornig.
Zeit für einen neue Frage. Ich hatte allerdings kaum zu einer harmlosen Frage zum Thema Light-Drinks und dem Zusammenhang mit dem Schwachsinn, den die Green-Food-Mafia zum Thema Aspertam verbreitet angesetzt, da zischte es aus einem Ü60++ -Block in der Saalmitte gut vernehmlich "Jetzt halt doch endlich die Klappe".
Unbeirrt stellte ich meine Frage, zunächst in der Annahme, die Herrschaften hätten einen Disput untereinander. Ein Mitglied meines im Raum verteilten Spionagerings teilte mir aber gegen Abend mit, dass der Kommentar in der Tat mir galt.


Wenn es eins gibt, wo ich total drauf stehe, ist, wenn jemand, der offensichtlich nichts kapiert hat, mir den Mund verbieten will.

Das Spionagenetzwerk konnte leider die Person nicht exakt identifizieren, aber auf eine enge Personengruppe einschränken.
Vielleicht gehe ich da abends mal am Tisch vorbei und halte eine kleine Rede zum Thema "Soziale Intelligenz und Verhaltensmuster im öffentlichen Raum."
Die Rede habe ich auch schon fast fertig und enthält vielleicht, vielleicht aber auch nicht, den Textbaustein "adipöse Hypochonder"...

Wir werden sehen.

Mittwoch, 16. März 2016

T+13 Die Rache der Yoga-Hexe

Tag 2 nach Rückenfit.


Schon beim Aufstehen jault der Rücken in einer gepeinigten Anklage gegen die neu erworbene Fitness einen Schmerzensschrei durch den Körper. Heißes Wasser aus der fabulösen, bodentiefen Dusche dämpft aber zunächst den Schrei der Anklage und auch das Walken um 07:00 verläuft im normalen Rahmen.
Auch beim Frühstück bin ich zunächst noch arglos.
Ein Schnellcheck des Therapieplans zeigt, das um 08:30 Trockengymnastik bei Frau Schmied* auf dem Programm steht. Das ist erfahrungsgemäß nicht zu hart, zumal Frau Schmied generell nicht die erbarmungslose Härte ihrer Ex-Ostblock-Kollegin mit dem Zuschnitt einer russischen Balletttrainerin hat.

"Heute machen wir ein paar Übungen für den Rücken....."   Ohoh.....
"Nimm sich jeder bitte ein Thera-Band"  Echt jetzt? ECHT JETZT?

Nun gut. Es nutzt ja nichts. Nur die harten kommen in den Garten!

Also das Thera-Band fest um die Hände gewickelt Spannung in Bauch und Hintern  das "Powerhouse" und mit Schwung in die erste Übung....

Fehler. Großer, großer Fehler.

Während die geisterhafte Stimme von Frau Hopp mit einem diabolischen Gelächter duch meine Einbildung hallt, schalten die neu entdeckten  Folterknechte  "Tiefenmuskeln" alle Alarmlampen im Rücken erst auf gelb, dann auf rot, und dann schlagen sie die Lampen kaputt und tanzen Pogo auf den Scherben....




Eine folgt eine halbe Stunde der greulichen Schmerzen  Dehnübungen, die von Frau Schmied  voller sadistischerunangemessener Heiterkeit angeleitet werden.

Plötzlich erscheint die voreilige Anmeldung bei Teil 2 der schleichenden Ganzkörpervenichtung Rückenfit-Session als eine der, sagen wir mal, "weniger durchdachten" Entscheidungen des Jahrzehnts Jahres 2016.

Muss jetzt eh' zum Psychologen. Entspannungsseminar. Das kann nur gut werden.

Dienstag, 15. März 2016

T+12 Kino in der Scheune*

Der 12 Tag.

Oder auch: der erste Tag nach Rückenfit.

Heute morgen nach dem Aufwachen ein leichtes Ziehen über die komplette rechte und linke Flanke, den Rücken hoch und ein angespanntes Brummeln der Schulter- und Nackenmuskulatur.

Vormittags auf dem Weg in den Blauen Salon (aka "Chillout Saloon") stolperte ich über die, wie immer, fantastisch gelaunte Frau Hopp.

"Na, wie geht's ihnen? Ich freue mich ja immer, wenn auch mal ein paar Herren der Schöpfung den Mut aufbringen, in meine Kurse zu kommen!"
"Nun.... äh...gut. Aber es fühlt sich hier, hier, hier und hier seltsam an...."
"Sehen Sie, jetzt lernen Sie mal Ihre Tiefenmuskulatur kennen, ist doch SUPER!. Tschüühüüsss!"

Und weg war Sie. Mein Einwand, dass Muskeln, die 43 Jahre nicht mit mir gesprochen haben, jetzt bitte auch die Klappe halten können, verhallte ungehört.

Abends dann die wöchentlich in der Kulturscheune stattfindende Kinovorführung (kein Scheiß!).
Das Ganze ist auch ganz nett gemacht - man sitzt auf normalen Stühlen, freie Platzwahl und alle zwei Sitze kommt ein flacher roter Hocker, auf dem man sein Tablett mit gekauften Getränken (plus kostenlose Chips & Flips!) abstellen kann.

Als Film lief heute Deadpool "Nur Für Personal", eine durchaus unterhaltsame französische Komödie.

Kurzweiliger Abend als Alternative zur gepflegten Langweile Entspannung? Immer gerne genommen!

Auf dem Rückweg fällt auf, dass die "Tiefenmuskulatur", die seit gestern abend mit mir spricht (Danke, Frau Hopp!) die freundliche Begrüßung gegen ein chronisches Dauernörgeln eingetauscht hat.

Ich ahne Unheil.....


*Filmreferenz

Montag, 14. März 2016

T+11 Die Rückenfit-Falle

Fussball und Yoga.

Das reimt sich in etwa so gut wie "Nilpferd" und "Seiltanzen".

Daher meine durchaus angebrachte Skepsis,  nachdem vereinzelt aufgeschnappte Wortfetzen im Speisesaal andeuteten, dass es einen "fantastischen" Kurs namens "Rückenfit" gäbe, der wöchentlich Montags stattfände und von der aus anderen Anwendungen bekannten Frau Hopp* geleitet würde.

Da das abendliche Entertainment hier im Hotel in der Klinik, wie bereits aus meinen früheren Posts zu entnehmen, nicht existent etwas zu wünschen übrig lässt, sprach ich Frau Hopp nach einem Seminar mal an, um herauszufinden, ob dieser Kurs auch für amateurfussballgeschädigte Bewegungslegastheniker wie mich tauglich ist, oder ob die Zielgruppe vornehmlich aus 40 Kilo leichten, chinesischen Balletttänzerinnen besteht.

Sie versuchte meine Bedenken zu zerstreuen, in dem sie anmerkte, es wären einige "harmlose Elemente aus Yoga und Pilates**" enthalten.
**Für meine männlichen Leser: Pilates (Coke Light) Die maskuline Version mit Kampfsport-Anstrich heißt dann Feldenkrais (Coke Zero).

"Harmlos" ist nun eines der Adjektive, die aus meiner Erfahrung heraus stark im Auge, bzw Körper des Betrachters verankert sind. Die Erfahrung der Therapeutin als begabte Mimenleserin zerstreute aber die durch meine hochgezogene Augenbraue unausgesprochene Frage. "Kommen Sie ruhig mal vorbei - viele finden das alles viel zu leicht - aber wir sind ja schliesslich auch im Therapiebereich und nicht im Sport."

Der Rest des Gespächs in Kurzform:
"Wie lange beschäftigen Sie sich denn schon damit?" "Im Leistungsbereich seit ich drei Jahre alt bin - aber ich bin ja auch nicht der Maßstab." "Na dann, bis Montag!"

Anmerkung: der aufmerksame Leser mag hier schon eine potenzielle Sollbruchstelle für den weiteren Verlauf erkennen.

Fast Forward: Montag abend 19:15 im Dojo Gruppenraum B des Therapiebereichs. Anwesend: Zwei Frauen und ich. Frau Hopp ist verdächtig in etwas gekleidet, dass ich als Laie in der Kategorie "Outfit für 5. Dan Yoga Großmeister" verordnet sehen würde.

Eine Stunde wurde dann gedehnt, gereckt, gestreckt, geatmet, angespannt, gelockert.

Fazit: Erstaunlich! Das hat richtig Spass gemacht. Euphorisch habe ich mich sofort fürs nächste Mal angemeldet.

Auf dem Weg die vier Stockwerke hoch ins Zimmer stellen sich dann aber bedenkliche Effekte ein. Die Beine fühlen sich seltsam an und der Rücken beginnt an vollkommen bizarren Stellen an zu ziehen und zu Schmerzen. Das kann unmöglich bereits erster Muskelkater sein, oder?  

ODER?????


*Name von der Redaktion geändert

Sonntag, 13. März 2016

T+10 Frühling in Bad Sassendorf

Sonntag.

Besuchertag. Die unter der Woche verwaisten Alleen der großzügigen Parkanlage, bevölkert in Hauptsache von Gänsen, Schwänen und anderem gefiederten Gezücht, verwandeln sich in  4-spurige Rentnerautobahnen mit Überholspuren für Rolatoren und jung gebliebene Besucher.

Idyllisch.



Die Anstalt  Klinik ist komplett verwaist und gleicht einer geisterhaften Kulisse, während die Insassen Patienten sich zusammen mit Verwandten, Bekannten und Wärtern Touristen wie ein Heuschreckenschwarm auf die Cafés in Park und Ortskern herabsenken.

Den einsam zurück Gebliebenen bleibt nur, sich mit einem Flachmann an den Teich zu setzen und melancholisch Schwäne zu füttern den sonnigen Tag für einen fröhlichen Spaziergang mit viel frischer Luft und guter Laune zu nutzen.

Prost.




Freitag, 11. März 2016

T+8 Therapeutenspotlight: Ice, Ice, Baby!

THERAPEUTEN-SPOTLIGHT #1


Name:  M. "Iceman" Yucca*


Funktion: Herr Yucca ist ein stetiger Bestandteil des Therapieprogramms und ist sowohl bei Gerätetraining als auch bei Ergonometer und gelegentlich auch Schwimmen und Gymnastik anzutreffen.

Besonderheiten: 100% No Emotion. None. Zero. Nada. Zilch.

Zitate: "Haben Sie noch eine Frage?" , "Das habe ich Ihnen bereits erklärt." "Das ist das falsche Fach.", "Danke".
Egal welche Frage, welcher Scherz, welche Situtation: Herr Yucca verzieht buchstäblich keine Mine. Stattdessen scheint es, als ob er einer gegebenen Situtation oder Frage eine vorher auswendig gelernte Abfolge von Sätzen und Anweisungen zuordnet. Es ist nahezu unheimlich. Ist eine Frage unerwartet oder streift gar den Themenkomplex "Humor" scheint in der Programmablauflogik kein passendes Satz- bzw. Antwortschema gemapped. Dies wird dann als Benutzerfeedback durch ein kurzes Schweigen kenntlich gemacht, bevor auf eine Standardfloskel zurückgegriffen wird. Der Effekt ist gelegentlich verstörend. 

Die Theorien für diese besondere Art von Kommunikation sind vielseitig und reichen von "schüchtern" über "unfreundlich", "geht zum Lachen in den Keller", "ist durch Sprachkenntnisse limitiert" zu "Autismus" oder "kybernetische Lebensform". Wir werden es nie erfahren.

Nichtsdestotrotz ist Herr Yucca durchaus kompetent und macht solide Sessions, was seine Exzentrik verschmerzbar macht.




*Name von der Redaktion geändert

Donnerstag, 10. März 2016

T+7 Pt.1 Fehlende Updates

Mahlzeit!

An alle Masochisten  die vergeblich auf  anzügliche Geschichten Updates der letzten Tage gewartet haben:

#BIGSORRY

Von den strapaziösen Anwendungen vollkommen entkräftet konnte ich einfach nicht die Kraft aufbringen, meinen trusty old EeePC anzuwerfen. Was zum Teil daran liegt, dass es ungefähr so lange dauert, bis der 8 Jahre alte Veteran das olle Windows XP hochgefahren hat, wie der Aufzug hier vom EG in den dritten  Stock braucht. In dieser Zeit werden Kinder gezeugt und geboren. Nun gut, nun gut. Hier bin ich ja nun.

Was hat sich also getan?

Am Dienstag (T+5) kamen die freundlichen und kompetenten idiotisch gelabelten Gelben Engel und haben mal rasch mein Auto geknackt um mir Zugriff auf meinen Autoschlüssel im Kofferraum zu gewähren. Das ganze war in 10 Minuten erledigt, geht aber laut Aussage des freundlichen Autoknackers ADAClers bei Mercedes und Co. deutlich schneller. Falls also jemand ein Auto braucht - ich weiß jetzt wie es geht!
Übrigens muss ich bei "Gelbe Engel" im Kontext Reha immer an inkontinente Fast-Jenseitige denken. Aber das nur am Rande erwähnt.

Am Abend des selben Tages wurde mir von einer Tischnachbarin einem Mitglied meines Spionagerings zugetragen, dass es wohl skandalöse interessante Vorkommnisse in der Sauna der örtlichen Therme gegeben hat. Sie wurde selbst Augen- und Ohrenzeugin, als sich in der Nachbarumkleide zwei Herren im Geist der griechischen Antike vergnügten(NSFW). Kinky!

Mittwoch (T+6)

Viele Anwendungen. Amoklauf-Walking bei -5Grad  morgens um 7:00 Uhr (wie übrigens jeden Morgen).
Eine Batterie  Frischfleisch  neuer Kurgäste traf ein, andere verschwanden körperlich und nervlich zerrüttet geheilt ins Paralleluniversum "normale Welt". Ansonsten ist das Abtauchen in die Strukturen des örtlichen Mikrokosmos Heilanstalt nun fast vollständig vollzogen.



Muss los in die Krankengymnastik!  Cu!




Montag, 7. März 2016

T+4 Ein Quiz!

Quizfrage:

Wer war "nur kurz am Auto" um einen Rucksack reinzustellen und eine Jacke rauszuholen, hat dann in einem Anfall vollkommener geistiger Umnachtung Autoschlüssel mit Zimmerschlüssel verwechselt und den Kofferaum zugeknallt um dann vor dem verschlossenen Auto zu stehen wie die Kuh wenns blitzt?

Genau. Yours truly.



Nein,nein, kein Applaus, danke, danke, ich habe es gern getan.

Scheisse.

Zeit für einen Kaffee mit diätischem Sahnehäubchen.

Samstag, 5. März 2016

T+2 The Fog: Salznebel des Grauens

Wer dachte, dass 2005er Remake von "The Fog" wäre grauenhaft, der hat die Bad Sassendorf-Version 2016 noch nicht gesehen:

The Fog: Salznebel des Grauens
Handlung: Vier Kurgäste schlendern an einem kalten, regnerischen Samstag nachmittag gegen 14:00 Uhr durch die menschenleere Innenstadt und den nur von Enten bevölkerten, matschigen Stadtpark, gutgelaunt in Richtung der Soletherme Bad Sassendorf. Noch ahnen sie nichts von dem unaussprechlichen Grauen, das sie dort erwartet. Nach kurzem Planschen im Innenbereich geht es nach draußen, wo das 33 Grad warme Wasser unter grauem Himmel lockt. Der Temperaturunterschied lässt dicke Dunstschwaden über das Wasser wabern und erschwert die Sicht.
Plötzlich kommen schemenhafte Gestalten ins Sichtfeld, die sich im Wasser tummeln. Zunächst erscheint nichts ungewöhnlich. Am Rande des Beckens jedoch wird eine vierarmige Monströsität sichtbar. Zwei Köpfe, verschmolzen zu einer unförmigen Masse. Schmatzende, sabbernde Geräusche dringen durch die Salzschwaden.
Als ein Windhauch plötzlich die Sicht freigibt, trifft der Anblick die unvorbereiteten Rehabilitanten wie ein Faustschlag:
Ein Mann, Ende 40, hat sich an sein 20 Jahre älteres Opfer festgesaugt und versucht sie offensichtlich zu verschlingen! Dieser Akt des in Westeuropa quasi unbekannten Freiluftkannibalismus offenbart sich bei widerwilliger, näherer Betrachtung aber dann doch nicht als kulinarisch, sondern sexuell motiviert. Dem Quartett dämmert langsam, die perfide, noch weitaus sinistere Wahrheit:
Es handelt sich offensichtlich um zwei notgeile Teenager, die durch ein unaussprechliches Experiment in die Körper ihrer respektiven Großeltern versetzt wurden. Nicht anders ist das ausdauernde, visuell offensiv vorgetragene, schlabbern, sabbern, ablecken und andere, glücklicherweise unter der Wasseroberfläche stattfindende, Aktivitäten zu erklären.
Wie ein Zugunglück zieht das Geschehen den Blick immer und immer wieder in den Bann, so dass die Kurgäste nach einer Weile verstört die Flucht antreten.
Im Stile der Geschichten des Großmeisters H.P Lovecraft gibt es für die Reisenden jedoch kein Entkommen.
Als sie sich in Sicherheit wähnend in einem nahe gelegene Cafe  niederlassen, stellen sie kurz darauf fest, dass das Grauen sie verfolgt hat und aus einer nahe gelegenen Nische beobachtet. Höhnisch grinsend wird das Ritual fortgesetzt und das Quartett der Verdammten tritt die Flucht in die Klinik an: verstört und für immer einem Teil ihrer geistigen Gesundheit beraubt.

Fin.

Freitag, 4. März 2016

T+1 The Eagle has landed

Gelandet. Zum Glück ist es nicht der Mond.,sagt der Mond spöttisch. 

Die Anstalt Klinik am Ende einer Sackgasse ist eingebettet  inmitten einer drögen  beschaulichen Siedlung aus Einfamilienhäusern.
Das Gebäude im Stil der 70er Funktionsbauten strahlt den Glanz vergangener Jahrzehnte aus. Die Insassen Patienten scheinen, bei einem ersten  Blick durch den Speisesaal, in ihrer überwältigenden Mehrheit das Rentenalter erreicht zu haben, als der Grundstein für den Klinikbau gelegt wurde, passen sich also scheintot nahtlos und harmonisch in die Gesamtoptik ein.

Gleich am Empfang wird man freundlich begrüßt und erhält den Hinweis, dass man bei Langeweile die Möglichkeit hat, aus einer großen Auswahl an Illustrierten dass gewünschte Exemplar zu erwerben.
(auf dieses Thema kommen wir noch)

Dann endlich kann der müde Reisende das Zimmer beziehen und seine Schubkarre voll Krempel ausladen sich einrichten. Es liegt im dritten Stock mit Ausblick gen Westen, was die Fluchtgefahr auf null reduziert einen schönen Ausblick über den ruhig gelegenen Park erlaubt.
Backpacker und Menschen, die früher viel in Jugendherbergen unterwegs wahren, fühlen sich auch sofort wohl.


Es gibt eine große Heizung, genug Steckdosen und sogar Kleiderbügel im Schrank. Eine Menge! Hammer!

Mittagessen 12:30. Pünktlich bitte!



Donnerstag, 3. März 2016

T-0 Ave Reha! Morituri te salutant!*

Ok.

Angekommen, Zimmer bezogen, gegessen, Eingangsuntersuchung.

Kurzes Fazit: das wird hart. Sehr hart. Oh my. Details to follow.


*Latein

T-0 Das Abenteuer beginnt.....

“Wir hatten 2 Beutel Gras, 75 Kügelchen Meskalin, 5 Löschblattbögen extrastarkes Acid, ein Salzstreuer halbvoll mit Kokain, ein ganzes Spektrum vielfarbiger Uppers, Downers, Heuler, ein Liter Tequila, eine Flasche Rum, eine Kiste Bier und einen halben Liter Äther und 2 Dutzend Poppers. Nicht, dass wir das alles für unsere Tour brauchten, aber wenn man sich erst mal vorgenommen hat ne ernsthafte Drogensammlung anzulegen, dann neigt man dazu, extrem zu werden.“ - Fear and Loathing in Las Vegas

262 km. 2 h 58 min. Es schneit. 


Go!

Mittwoch, 2. März 2016

T-1 Die Schlinge zieht sich zu...

"Na Herr Major, rein in den Kübelwagen und ab durch die Mitte?
Aber daraus wird diesmal nichts. Wir sind eingekesselt, die Munition ist alle und im Eckhaus steht der Russe!"
- "Hunde, wollt ihr ewig leben?"

Morgen geht's los. Der Point of no return ist erreicht. Leider habe ich heute die Grundregel 1 verletzt (danke Eva).  Was ist die Grundregel 1? Einfach:

Grundregel Nummer 1

Lese niemals die Bewertungen zu Orten, zu denen du so oder so hin musst.

Kann man den nörgelnden Insassen glauben schenken ist meine Erziehungsanstalt Klinik altbacken, hat lachhafte WLAN-Abdeckung, keine Freizeitangebote, ist schmuddelig, hellhörig, liegt in der Nähe einer Güterzug-Linie, wird von Nachtschwestern patroulliert wie eine Klosterschule wenn die Handwerker im Haus sind und hat als Pluspunkt nur "die schöne Lage am Kurpark" zu bieten.

Fuck.

Hoffnungsschimmer: statistisch gesehen sind Nörgler online im Verhältnis von ca. 3:1 überrepräsentiert.

Wünscht mir genug Alkohol Glück!

Dienstag, 1. März 2016

T-2 Lock & Load...

Koffer sind groß. Riesig gar. Zumindest kam mir das bei bisherigen Reisen, Ausflügen, Seminaren etc. immer so vor. Deshalb hat es meist eine Sporttasche und | oder ein großer Rucksack getan.

Trugschluß.

Drei (in Worten: DREI!!!) Wochen in der nordrheinwestfälischen Vorhölle im Kurparadies erfordern prinzipiell, das man seinen Schrank komplett umkippt und den Inhalt in einen Behälter regnen lässt, der einen Bruchteil des Fassungsvermögens hat. Den größten den man findet. Dann ist voll. Eigentlich. Aber dann fehlt noch das gewisse Plus. Plus Badekrempel, plus den brandneuen Bademantel, plus die Latschen, plus alle Sportschuhe, die man auftreiben kann, plus die Badetücher, plus den ganzen anderen Bimbes die anderen nützlichen Utensilien, die erforderlich sind, damit die Kur, ein Thema voller Missverständnisse, sauber und diskret abläuft.

Achso. Die Sporttasche steht natürlich noch extrem sinnlos in der Firma rum. Toll Oli!

Schwamm drüber.

Ein Schwamm ist übrigens einer von drei Gegenständen, die man nicht einpacken muss. Glaube ich zumindest.